Geschichten ziehen Aufmerksamkeit in einen Zusammenhang.
In der Kommunikations- und Psychologieforschung wird dafür unter anderem der Begriff narrative transportation verwendet: Menschen können sich beim Lesen oder Hören gedanklich in eine erzählte Situation hineinbewegen. Das bindet Aufmerksamkeit, Gefühle und Vorstellungsbilder an einen konkreten Verlauf.
Green und Brock untersuchten diesen Zusammenhang experimentell. In ihren Studien hing stärkere gedankliche Beteiligung an eine Geschichte mit stärker story-konsistenten Überzeugungen und positiveren Bewertungen von Figuren zusammen. Das ist ein Befund zur Wirkung von Erzählungen in kontrollierten Situationen – kein Beweis, dass eine gute Verkaufsgeschichte automatisch einen Auftrag gewinnt.
Eine Meta-Analyse von van Laer und Kolleg:innen fasste 132 Effektgrößen aus 76 veröffentlichten und unveröffentlichten Arbeiten zusammen. Sie stützt die Bedeutung narrativer Einbindung und untersucht sowohl Eigenschaften der Geschichte als auch der Person, die sie aufnimmt. Auch daraus folgt keine Einheitsformel: Vorwissen, Glaubwürdigkeit, Thema, Situation und Medium spielen mit.
Jerome Bruner unterschied in seiner Arbeit narrative und logisch-paradigmatische Formen des Denkens. Eine Geschichte beantwortet andere Fragen als eine Liste von Eigenschaften: nicht nur „Was gilt?“, sondern „Was geschah, wem, in welchem Zusammenhang – und was bedeutete das?“ Im Alltag sind beide Formen wichtig. Daten prüfen eine Behauptung; eine Geschichte kann zeigen, wie eine Situation erlebt und verändert wurde.
Die praktische Konsequenz: Im Vertrieb darf Storytelling nicht an die Stelle von Fakten treten. Es kann helfen, Fakten in eine konkrete Kundensituation einzubetten. Der Kunde soll besser beurteilen können, ob das Angebot passt – nicht weniger kritisch werden.
Die Forschung untersucht unterschiedliche Arten von Erzählungen, Medien und Wirkung. Die Übertragung auf Verkaufsgespräche ist eine begründete Anwendung, keine direkte Garantie bestimmter Verkaufsergebnisse.